Du bist schuld

Unser süßes Bärchen aus dem Kinderbuch Mama, gibt es Gespenster? , erlebt viele Situationen, die für Kinder (von 3-99 Jahren) typisch sind.
Diesmal geht es um die Schuldfrage. Immer bin ich schuld … ! 
WARUM fühlen wir uns eigentlich immer schuldig? Und MUSS ich mich immer schuldig fühlen? 

Du bist schuld 

Bienen summen um den schmächtigen Baum gegenüber der Bärenhöhle und der kleine Bär hat Hunger. Vorsichtig klettert er den krummen Stamm hinauf.
„He, du …“ zwitschert erbost eine Stimme „hör auf damit! Siehst du nicht mein Nest? Du bist Schuld, dass es hinuntergefallen ist.“

Erschrocken lässt sich der kleine Bär den Stamm hinuntergleiten.„Tut mir leid…“ flüstert er und schaut traurig den kleinen Vogel an, der aufgeregt um ihn flattert. „Mach, dass du fort kommst…“ schimpft das Rotkehlchen und sammelt die hinuntergefallenen Zweige wieder auf. 

Das Laub raschelt unter den Tatzen des kleinen Bären und er wird müde. Vorsichtig bereitet er sich ein  kuscheliges Nest und gähnt.
„He, du …“ piepst eine erzürnte Stimme „Du bist schuld, dass ich zu spät komme. Siehst du nicht, dass du meinem Ausgang zugeschüttet hast?“ 

Der kleine Bär reibt sich die Augen. Eine kleine Maus steht vor ihm und funkelt ihn an: „Von Morgens bis Abends bin ich auf den Beinen. Hetze von einem Ort zum Anderen. Ich liege nicht faul herum und hindere andere Tiere an ihrer Arbeit… mach, dass du fortkommst.“ „Tut mir leid …“ flüstert er und erhebt sich schnell. „das wollte ich nicht …“

Braune Kastanien liegen auf dem Waldboden und der kleine Bär fängt an damit zu spielen. Übermütig wirft er sie in die Luft. Hoch und immer höher. Bis zu den Wolken am Himmel. „He, du …“ schreit eine Stimme schmerzerfüllt. „ … du tust mir weh! Kannst du nicht aufpassen? Sieh, was du angerichtet hast!“

Der kleine Bär lässt verblüfft die Arme sinken. Ein kleines Reh steht vor ihm. Auf seiner Stirn formt sich eine große Beule: „ … hast du denn nur Unsinn im Kopf? Daran bist du bist schuld!“„Tut mir leid …“ flüstert der kleine Bär entsetzt. Seine Augen füllen sich mit Tränen. „ Mach, dass du fortkommst …“ raunt das Reh.

Regentropfen fallen vom Himmel und der kleine Bär schleicht bedrückt in die Bärenhöhle. “Du bist schuld. Du bist schuld. Du bist schuld…“, dröhnt es in seinem Kopf. Die ganze Welt scheint mit einem Mal grau und kalt zu sein. Traurig kuschelt er sich an Mama Bär und schläft unruhig ein.

Die Sonne steht hoch am Himmel, aber der kleiner Bär wagt sich kaum aus der Bärenhöhle. „Schau, was für ein schönes Nest ich gebaut habe“, jubelt das Vögelchen vom Baum, „ich hätte es gleich an einen kräftigeren Baum bauen sollen, Was für ein Glück, dass es gestern hinunter gefallen ist!“ „Aber ich…?“, stottert der kleine Bär.

Ein laues Windchen kommt auf und der kleine Bär beobachtet nachdenklich ein Blatt, das vom Baum auf die Erde fällt. „Was für ein Glück, dass du gestern meinen Ausgang zugeschüttet hast“, piepst es plötzlich ganz aufgeregt neben ihm. „Der Regen hat eine Pfütze genau auf meinem Bau gebildet. Alles wäre ruiniert gewesen. Vielen Dank!“

Plötzlich trifft ihn eine Kastanie mitten auf die Nase und der kleine Bär schaut überrascht auf. „Hier“, kichert es aus dem Unterholz und das Reh mit der Beule tritt auf die Lichtung. „weißt du kleiner Bär, ich hatte ganz vergessen, dass ich auch einmal klein war… würdest du … ein wenig mit mir spielen?“ und kickt die nächste Kastanie nach ihm.